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Geheimnis Moor
im Naturpark Stechlin-Ruppiner Land

 

Torfmoos

Torfmoos

  

Als die kilometerdicken Gletscher der letzten Eiszeit, der Weichseleiszeit, vor ca. 12 – 10 000 Jahren abschmolzen, entstanden gewaltige Schmelzwassermassen. Da, wo die Gletscherzunge kleine und große Becken ausgeschürft und geröllhaltige Endmoränenwälle aufgetürmt hatte, spülten nun die Schmelzwässer tiefe Rinnen aus und lagerten die mitgeschwämmten Sande ab. So entstand unser bewegtes Landschafts-Relief. Nach dem Abtauen der Gletscher blieben in Becken und Schmelzwasserrinnen kleine und größere Wasserflächen zurück. Die großen tiefen Becken sind unsere Seen, die allerdings infolge von Verlandungsprozessen durch Ablagerung abgestorbener Organismen, aber auch durch den Eintrag von Boden je nach den Nährstoffverhältnissen im Laufe der Jahrtausende immer ein bisschen kleiner und ein wenig flacher werden, das Wasservolumen nimmt ab. Kleine Becken verlandeten teilweise vollständig.

Aber begünstigt durch ein reichliches Dargebot an kalkfreiem Schichtwasser von den anliegenden Hängen entstanden in kesselartig gelegenen kleinen Seen ganz besondere Bedingungen. Im nährstoffarmen wasserreichen Milieu wuchsen Torfmoose, deren abgestorbene Pflanzenteile Torf bilden. So entstanden Torfmoosmoore, die ganz speziellen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bietet. Als im 17. Jahrhundert die Region, die nach dem Dreißigjährigen Krieg stark entvölkert war, wieder dichter besiedelt wurde, stieg der Bedarf an Acker- und Weideland. Wald wurde gerodet, und auch kleine Moore wurden durch Gräben entwässert, um sie nutzbar zu machen. Durch den entstehenden Wassermangel im Moorkörper konnte Sauerstoff an das entstandene Torf gelangen, und es setzte die Mineralisierung der organischen Substanz Torf ein. Der so entstandene Stickstoff gelangt über die Vorfluter in unsere Gewässer und kann zur Überdüngung führen. Und auch das im Torf festgelegte CO² wird als „Klimakiller“ in die Atmosphäre freigesetzt. Aus wachsenden Mooren werden schwindende Moore.

Zum Glück für uns ereilte nicht alle unsere Moore dieses Schicksal. In unseren dichten Wäldern finden wir noch intakte wachsende Torfmoosmoore. Die Verlandung erfolgt von den Ufern aus, von wo aus eine spezielle Pflanzendecke langsam über die Wasseroberfläche wächst. Dadurch entstehen schwimmende Ufer, auch Schwingmoor genannt. Diese schwimmenden Ufer rahmen sozusagen die Wasserfläche ein. Bei der Wasserfläche sprechen wir von dem „Moorauge“, das Moor sieht aus diesem Auge in den Himmel.

Auch heute werden solche Moore als geheimnisvoll und mystisch empfunden. In früheren Zeiten waren Moore die Stätte böser Geister und Ort, an dem Teufel und Hexen ihr Unwesen trieben. Deswegen wurden sie von vielen Menschen, vor allem bei Nacht, wo auch die Irrlichter über das Moor flackerten, gemieden. Aber wer Böses wollte, suchte das Moor; es war Zeuge von geheimen Hinrichtungen und Morden, aber auch Waffen und andere Indizien wurden hier versenkt. Bei der Torfgewinnung in vergangenen Zeiten wurde manche gut erhaltene Moorleiche entdeckt.

 

Aber heute sind solche intakten Moore, die übrigens streng geschützt sind, für Naturbegeisterte wahre Wunder, denn sie sind die einzigen ursprünglichen Lebensräume, die es heute überhaupt noch gibt, sozusagen, ein Stück „Wildnis“.

Seit dem Abschmelzen der eiszeitlichen Gletscher hat sich hier eine Vegetation erhalten, die wir sonst nur in nördlichen Klimaten finden, so z.B. in Finnland, Schweden und Norwegen. Es sind dies Pflanzen, die in den kühlen feuchten nährstoffarmen Lebensräumen seit tausenden von Jahren überlebt haben. Der fleischfressende Sonnentau, Moosbeere, Rosmarienheide, Wollgräser, und Fieberklee leben in einem dichten Teppich aus Torfmoosen und seltene Seggen umrahmen das Moorauge wie lebende Wimpern. In bereits verlandeten Uferbereichen erblüht weiß im Mai der Sumpfporst. Gebunden an diese Vegetation sind auch ganz spezielle seltene Libellenarten.

 

Schwigmoor mit Fieberklee und Seggen

Schwingmoor mit Fieberklee und Seggen

 

 


Rosmarienheide im Torfmoos
Rosmarienheide im Torfmoos

Liebe Besucher, bitte beachten Sie:

Moore sind sehr sensible geschützte Lebensräume, deren Uferbereiche nicht betreten werden dürfen, um dieses ganz Besondere zu erhalten.

 

Schwingmoor mit Torfmoos und Seggen

Schwingmoor mit Torfmoos und Seggen

 

Sieglinde Assatzk

Geprüfte Natur- und Landschaftsführerin

 

Anmerkung: Neben den beschriebenen Kesselmooren gibt es noch andere Moortypen. Interessenten wird die Lektüre von M. Succow und L. Jeschke „Moore in der Landschaft“ empfohlen